Montag, 30. Juni 2008

Nur damit ihr....

nicht denkt, dass wir hier ohne EURO 2008 leben mussten:

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Ich weiss, ihr habt lange nichts mehr von mir lesen können. Der Grund dafür ist, dass mein lieber Computer den Geist aufgegeben hat. Ich kann ihn einfach nicht mehr aufstarten. Und hier ein Geschäft zu finden, das sich seiner annehmen kann, erweist sich wohl als ein Ding der Unmöglichkeit.
Zum Glück habe ich eine "Blackbox" mit all meinen Daten drauf. Und so konnte ich jetzt das Wichtigste auf unseren "Notcomputer" laden und ihn so einrichten, dass ich wieder gut online gehen kann.

Eigentlich habe ich jetzt so viel zu erzählen, dass ich gar nicht weiss, wo anfangen.-----
O.K. Ich werde die Ereignisse von jetzt nach hinten (früher) aufrollen. Das ist für mich das einfachste.

Unseren ersten grösseren Ausflug starteten wir letzten Samstag. Wir wollten das dichtbesiedelte Valle Central verlassen und ein bisschen Bergluft schnuppern und in eine angenehme Frische eintauchen.
Denn wir stecken hier in der Regenzeit und das heisst, dass meistens ab 6h die pralle Sonne scheint und sich alles ziemlich schnell erhitzt. Die aufsteigenden Wasserpigmente formieren sich zu Wolken, diese wälzen sich träge und schwer über die Bergkanten, bedecken bis am Nachmittag den Himmel mit einer grauschwarzen Decke und dann entlädt sich alles in einem heftigen Gewitter. Glücklich wer dann schon zu Hause ist, sonst kannst du dich gleich samt den Kleidern zum Trocknen an die Wäscheleine klämmerlen.

Nach einer halben Stunde liessen wir die Aglomeration San José hinter uns und wir schlängelten uns langsam aber stetig der Hügelkette entlang rauf und runter in die Höhe. Und es tat sich uns eine prallgrüne Weite auf in einer sanften, voll kultivierten Hügellandschaft mit seinen kleineren und grösseren Siedlungen.




Und nach einer dieser vielen Windungen sahen wir diesen kleinen Krämerladen und wir mussten unbedingt anhalten.


Diese weissen Klumpen in den Plastiksäcken sind gerollte Käsekugeln. Sie werden nur in dieser Gegend produziert, sind im Biss etwas gummig aber lecker und erinnern mich im Geschmack an Buffalo Mascarpone.






Daneben gab es noch ganz andere hausgemachte (Sch)Leckereien zu entdecken, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen liess.



Dann erreichten wir eine grössere Ortschaft: Zarcero, 1700m ü.M.
Und als wir hier vorbeifuhren,


fabrizierte mein Herzallerliebster fast einen Auffahrunfall, so verdutzt und paralysiert schauten wir alle nach rechts.
Vor der Kirche eröffnete sich uns eine Parkanlage, wie ich noch nie eine gesehen habe. Und schon gar nicht hier in dieser "Weg von allem"- Gegend erwartet hätte.
Riesige Mammutfüsse und Bögen bilden einen imposanten Durchgangsweg rauf zur Kirche. Auf den Wiesenanlagen rechts und links davon tummeln sich lauter mystische, unwirkliche und wirkliche Gestalten und dem Parkrand entlang entdecken wir immer mehr Gesichter und Fratzen, eingefräst in die hohe und hügelige Parkumrandung.
Nein, das Ganze ist nicht in oder aus Stein gemeisselt, sondern prachtvoll aus jahrzehntelang gewachsenen Zypressen kunstvoll geschnitten und geformt worden.
Aber seht selbst.



Wir erfuhren dann später, dass die Ortsväter vor über 40 Jahren beschlossen hatten, den damaligen Fussballplatz in einen schönen Platz zum Verweilen zu verwandeln und so auch eine OrtsAttraktion zu erhalten.
All dies ist das Handwerk des städtischen Gärtners Evangelista Blanco, der seit den 60er- Jahren an seinen Figuren arbeitet. Auch Abwerbeversuche ließen den Stadtgärtner nie seiner Heimat untreu werden.


Auch die Kirche von Zarcero ist ein wahres Bijou. Kein Prunk. Im einfachen Stil. Wunderschöne Bodenplatten und Wand- und Deckenmalereien.




Die Chorfenster sind aus pinkfarbenem Glas und hüllen ihn in ein bezauberndes Licht.


Und vor der Kirche noch dies:

Tja, in diesem Land wird alles mitgenommen, was nicht zehnfach gesichert ist.

Soviel Kunst und Kultur macht natürlich hungrig. Und so gönnten wir uns im

ein feines einheimischesMittagsmahl. Resten? Sicher nicht.

Und stricken liess es sich dort auch richtig gut.


So, und jetzt noch einen dicken Beso Richtung Heimat, bevor ich mich hinter die feine 'crepa de manzana con helado' mache.